Ein Sonntagsmärchen
Im dunklen Turm
Es war einmal ein Lämmchen. Das war weiß. Weiß wie Schnee.
Es wurde von seiner Herde geliebt, behütet und umsorgt.
Deshalb war das Lämmchen auch immer fröhlich und vergnügt.
Die Luft war erfüllt von Musik und das Lämmchen sprang und sang.
Obwohl es nachts oft schlimme Träume hatte.
Träume von großen schwarzen Löchern in der Erde.
Das Lämmchen musste immer aufpassen wo es hintritt.
Doch ab und zu fiel es in eines der Löcher.
Das war schrecklich. Allerdings nach dem Aufwachen konnte es sich nie erinnern WAS dort geschehen ist.
Aber die Tage jedoch waren umhüllt mit wundersamen Gestalten in einer zauberhaften Welt, in der das Lämmchen sehr, sehr oft verweilte.
Schon in dieser Zeit traf es auf Trolle, Feen, Zwerge, Einhörner, Drachen, Zauberer und Hexen.
Das Leben war ein Märchen.
Das Lämmchen wurde größer und aus ihm wurde ein richtiger Wildfang.
Den Wildfang zog es in die weite Welt hinaus, um Abenteuer zu erleben.
Es waren wilde Jahre, es gab viele lustige aber manchmal auch traurige Tage.
Dabei lernte der Wildfang einen lustigen, wenn auch viel älteren Kobold kennen. Dieser verliebte sich in den Wildfang und der Wildfang in den Kobold. Sie verbrachten ab da jede freie Minute gemeinsam.
So ging einige Zeit dahin und das Leben wurde zu einem sanften Meer.
Die Wellen bewegten sich weiterhin auf und ab, aber nicht mehr so stürmisch.
Das Lamm, der Wildfang verwandelte sich in einen ganz normalen Menschen und vergaß die alte Welt, das alte Leben.
Der Mensch, eine Frau, wurde müde.
Die Tage wurden dunkel und immer noch dunkler.
So dunkel, dass sie vor Müdigkeit kaum noch die Augen aufhalten konnte.
Rabenschwärze legte sich über diese Zeit.
Die Beine wurden schwer, die Arme ließen sich kaum noch hochheben, obwohl sie sich doch festhalten wollte. Festhalten an dem verschwindenden Tageslicht.
Sie fiel in einen hundertjährigen Schlaf. Träumte von einem Leben, welches "draußen" stattfand.
Als sie dann aufwachte, stellte sie fest, dass sie in einem Rapunzelturm gefangen war.
Vor dem Turm stand tagsüber ein Wächter und passte auf, dass niemand in die Nähe kam.
Der Turm hatte keine Tür, aber dafür ein kleines Fenster aus dem die Frau nach draußen schauen konnte.
Dort schien schon wieder schwach die Sonne und erhellte den Raum.
Doch noch etwas war in der Zwischenzeit geschehen. Die Frau stellte fest, dass sie zaubern konnte.
So verwandelte sie sich in einen Frosch.
.........und als Frosch konnte sie durch das Fenster springen.
NEUGIERIG war der Frosch. Neugierig wie die Welt außerhalb des Turmes herum aussieht.
Was es alles "Neues" und vielleicht "Altes" zu entdecken gibt. Jede Nacht sprang er aus dem Turm.
Anfangs war der Frosch noch sehr ängstlich, so dass er immer wieder bald zurück in den Turm zurückkehrte.
Doch mit jeder neuer Nacht entfernte er sich weiter und weiter, traf andere Frösche und wurde wieder fröhlich.
Immer länger wurden die Ausflüge und der Frosch wurde zu einer Froschkönigin.
Diese fing wieder an zu singen und zu springen.
Musik, wenn auch eine andere, als die ihrer "Lämmchenzeit", bestimmte das Dasein.
Die Froschkönigin traf auf eine Liebe, die sich allerdings als Strohfeuer entpuppte.
Das tat weh.
Da hatte sie genug davon Froschkönigin zu sein und verwandelte sich in einen Troll.
Mit einer Hässlichkeit, die sie aber wunderschön fand, wollte sie jegliche Liebe abschrecken.
Doch eines Tages traf sie auf einen Schäfer. Da fiel ihr ein, dass sie einmal Lämmchen war.
Dieser Schäfer war aber ein Zauberer, der sich in einen Elfen verwandelte.
In diesen Elfen verliebt sich die Trollfrau, obwohl sie das doch gar nicht mehr wollte.
Der Sommer, der gerade begann, wurde dadurch so hell, dass auch die Nächte noch leuchteten.
Die Nächte, die die Trollfrau so zu lieben gelernt hat, weil sie ihr Freiheit versprachen.
In einer besonderen Nacht in einem Zauberwald unter einem riesigen Trollbaum wurde der Elf zum Wolpertiger.
Seit dieser Nacht verwandelte sich die Trollfrau zum Trollweib und manchmal auch zum schwarzen Schaf, damit sie sich unbemerkt vom Wächter mit dem Wolpertiger treffen konnte.
Leider fehlte ihr genügend Vertrauen in den Wolpertiger, weshalb sie auch dieses Zwischenspiel beendete.
Bald darauf wurde der Wächter sehr, sehr krank. Obwohl er die Trollfrau so lange im Turm eingesperrt hatte, wollte sie ihn nicht im Stich lassen. So pflegte und kümmerte sie sich um den Wächter. Doch der Wächter wollte einfach nicht gesund werden. Dabei verwandelte er sich zurück und die Trollfrau erkannte den Kobold wieder, den sie einst sehr geliebt hatte. Leider war die Krankheit des Kobolds nicht mehr zu heilen und er starb. Das machte die Trollfrau traurig. Aber ihr wurde auch klar, dass der Kobold im Leben immer ihr Wächter geblieben wäre, weil er sie aus seiner übertriebenen Liebe heraus mit niemandem teilen wollte.
 
Währenddessen machte die Trollfrau verschiedene Wandlungen durch. Mal war sie Troll- oder Feuerfrau, mal Froschkönigin, und mal eine Rabenfrau oder wieder ein Wildfang. Neues und Altes mischten sich.
 
Ihre neugewonnenen Freunde, die sie bei ihren Ausflügen kennengelernt hatte, standen ihr in dieser eigenartigen Zeit zur Seite.

 
Diese Freundschaften sind ihr viel wert und sie hofft, dass diese sie ihr weiteres Leben noch lange oder sogar immer begleiten.
Die Trollfrau oder wer sie gerade ist verbringt nun die meiste Zeit wieder in dem Turm. Das Fenster ist zur Tür geworden aus der sie jetzt kommen und gehen kann, wenn und wann sie will.

.......und hier und da wird sie einfach Froschkönigin, die gerne Geschichten und Märchen erzählt. =))

© Ellinor